wir spielen wieder…

…seit einigen Wochen spielen wir wieder, zwar eingeschränkt und unter anderen Bedingungen, aber immerhin! Ich habe im neuen Newsletter der Shakespeare Company Berlin einen Artikel zu unserer Situation verfasst, den ich auch hier veröffentliche.

„Ja, wir kämpfen als Theaterbetrieb und Künstlerensemble um unser Überleben und ja, wir tun das auf verschiedenen Ebenen und in verschiedener Hinsicht nicht allein. Viele Theater stehen vor dem wirtschaftlichen Aus und viele Künstler*Innen befinden sich im freien Fall. Sie sehen sich darin nicht mehr nur akuten existenziellen Nöten ausgesetzt. Nein, hier geht es inzwischen auch um eine völlig neue Ungewissheit unserer Zukunft, die auf frappierende Weise die Ausübung unserer Kunst und damit unser Überleben in Frage stellt. Unsere Existenz steht auf dem Spiel.  Aber wir leben weiter und hören also nicht auf, unsere Arbeit als Künstler zu machen. Komme was da will und wie auch immer sich unsere Theaterkunst durch die aktuellen Ereignisse entwickeln mag, die so viele Veränderungen auf so vielen verschiedenen Lebens- und Gesellschaftsebenen in Gang gesetzt haben,  wir werden weiter Theater machen und auch damit sind wir nicht allein.

Zeitgleich schwappt die Entlarvung starrer und ausbeuterischer Machtstrukturen auf das Theatersystem des Landes über. Auch wird zu Recht kritisiert, dass man gesellschaftlich relevante Themen auf der Bühne in einem verlogenen selbstreferenziellen Repräsentationsmodus zur Schau stelle, ohne sich dem damit verbundenen inneren Strukturwandel zu stellen, abgesehen von dem noch überfälligeren Neudenken des Theaters in Form, Kontakt zum Publikum und unseren erzählerischen Mitteln. Als Teil dieser Theaterwelt, die gerade ins Wanken gerät, entwickeln wir seit einigen Jahren erfolgreich den Gegenentwurf zum Intendantenbetrieb, indem wir das Ensemble in den Mittelpunkt unseres Schaffens gestellt haben. Allen Mitgliedern unseres Theaters gehört das Theater, das sie selbst machen. Alle tragen Verantwortung, alle machen alles selbst, alle entscheiden über künstlerische & unternehmerische Themen. Wir sind nicht allein, lernen uns weiter aus den alten hierarchisch geprägten Denk- und Arbeitsmustern zu befreien und haben in dieser herausfordernden Zeit des Wandels eine Menge zu geben.

Und was passiert, wenn wir allabendlich unsere Tore öffnen und Sie zum Einlass begrüßen? Wir sind nicht allein. Sie sind da, unser geliebtes Publikum! Und das ist unsere große Freude! Wären Sie nicht da, würden wir nicht spielen und wir wenden alle Kraft auf, um den reduzierten Spielbetrieb möglichst verlustfrei für Sie am Laufen zu halten. Das ist das eine. Das andere ist, Sie sind auch nicht allein. Wir wissen, was in den letzten Monaten geschehen ist. Wir sehen, wie Vereinsamung und Traurigkeit die Menschen verändern. Wir spüren eine große Verunsicherung im Miteinander und in der Begegnung mit anderen Menschen. Und dennoch sind wir alle da, an diesem wunderschönen Ort in der Natur unterm Sternenhimmel. Um Theater zu erleben, auf der Bühne oder im Zuschauerraum. Zusammen zu sein, auch wenn wir uns nicht nah kommen dürfen, so doch verbunden zu sein im Miteinander und in einer Erzählung, die uns erheitert, auf andere Ideen bringt und für einen M Moment der Realität entfliehen lässt. Wir überleben diese Krise gemeinsam und wir wünschen uns, Sie mit unserer Kunst durch diese Zeit zu tragen. Wir sind alle nicht allein.“

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